Schleiden-Gemünd – Die große Leinwand ist verschwunden, eine Bühne gibt es aber noch immer. Auf ihr wird nun gespielt, geturnt und gelacht. Wo einst der Projektor surrte und Popcorn zu großen Filmen gehörte, haben nun kleine Menschen mit großen Plänen ihr neues, zweites Zuhause gefunden.
Mit der feierlichen Einweihung der neuen DRK-Kindertagesstätte im Herzen Gemünds endete für Kinder, Eltern und Mitarbeitende eine beinahe fünfjährige Zeit der Übergangslösungen, Umzüge und Ungewissheit. „Heute eröffnen wir nicht einfach ein neues Gebäude“, sagte Schleidens Bürgermeister Ingo Pfennings. „Wir eröffnen einen Ort, an dem Kinder lachen, spielen, lernen und Freundschaften schließen.“
Kaum ein Ort könne besser passen, fand der Bürgermeister: „Früher gab es hier Popcorn und große Filme, heute gibt es kleine Menschen mit großen Plänen. Schöner kann ein ehemaliges Kino kaum wieder zum Leben erwachen.“ Dann bekamen die Gäste eine persönliche Führung von Einrichtungsleitung Sabine Moitzheim.
Rund 4,6 Millionen Euro hat die Stadt Schleiden in den Umbau und die Erweiterung des Gebäudes investiert. Entstanden sind rund 1.200 Quadratmeter moderne, helle und barrierefreie Kita-Fläche für vier Gruppen. 75 Kinder werden dort von 18 Mitarbeitenden begleitet. Große, bodentiefe Fenster lassen viel Tageslicht herein, Böden in Holzoptik und eine bewusst ausgewählte Farbgestaltung schaffen eine warme Atmosphäre. Zwei Rückzugsräume, ein Atelier, ein Bewegungsraum, ein Rollenspielbereich mit Bühne sowie Wickel- und Pflegebereiche ermöglichen eine inklusive Betreuung.
Die Räume sollen den Kindern aber nicht nur Platz bieten, sondern ihnen auch Orientierung und Eigenständigkeit ermöglichen. Magnete und kindgerechte Symbole helfen ihnen dabei, sich im Haus zurechtzufinden und anzuzeigen, in welchem Bereich sie sich gerade aufhalten.
Offenes Konzept
Im Erdgeschoss befindet sich der geschützte Bereich für die jüngsten Kinder unter zwei Jahren. Dort sorgen feste Bezugspersonen, verlässliche Strukturen und vertraute Räume für Sicherheit. Mit zunehmendem Alter öffnet sich der Radius. In der oberen Etage sind die etwa vier- bis sechsjährigen Kinder nach einem offenen Konzept beheimatet. Klassische Gruppenzuordnungen treten dort in den Hintergrund. Stattdessen können die Kinder je nach Interesse Atelier, Bewegungsraum oder andere Funktionsbereiche nutzen. Gegessen wird gemeinsam im Bistro.
„Kinder kommen heute oft schon sehr jung in die Kita und verbringen viele Jahre hier“, erläuterte Einrichtungsleiterin Andrea Wollgarten. Das offene Konzept eröffne ihnen mit zunehmendem Alter immer neue Spiel- und Erfahrungsräume. Gleichzeitig seien die Kleinsten im geschützten Bereich mit festen Erzieherinnen und Erziehern, klaren Abläufen und vertrauten Räumen gut aufgehoben.
Gemeinsam mit Sabine Moitzheim bildet Wollgarten derzeit eine Doppelspitze. Beide hatten zuvor die durch die Flut getrennten Einrichtungen und Teams geführt. Seit Anfang 2025 sind die früheren DRK-Kitas Gemünd I und Gemünd II organisatorisch zu einer Einrichtung zusammengeführt. Nun sind auch die Mitarbeitenden und Kinder unter einem gemeinsamen Dach angekommen.
„Große Herausforderung“
Noch sei vieles neu, berichtete Andrea Wollgarten wenige Tage nach dem Einzug. Manche Kinder müssten sich zunächst neu orientieren oder sogar ein Stück weit erneut eingewöhnen. Doch die Erleichterung überwiege: „Für uns war es eine große Herausforderung. Aber jetzt glaube ich, dass hier alles gut wird.“
Hinter diesem Satz liegen Jahre, in denen die gesamte Kita-Gemeinschaft immer wieder neu anfangen musste. Die Flutkatastrophe im Juli 2021 hatte die beiden DRK-Einrichtungen in Malsbenden und am Kreuzberg massiv getroffen. Schnell stand fest, dass die Gebäude an ihren bisherigen Standorten keine Zukunft mehr hatten. Zunächst wurden die Kinder innerhalb weniger Wochen in anderen DRK-Einrichtungen untergebracht. Im März 2022 folgte der Umzug in die eigens errichteten Kita-Container in Olef.
Die Übergangslösung war hochwertig und wurde mit viel Engagement zu einem kindgerechten Ort gemacht. Dennoch blieb sie ein Provisorium - für manche Mädchen und Jungen sogar die gesamte Kindergartenzeit lang. „Für Kinder ist es wichtig, in ihrem sozialen Umfeld Orientierung und einen festen Platz zu haben“, betonte Rolf Klöcker, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Euskirchen. Das sei über lange Zeit nur eingeschränkt möglich gewesen. Sein Dank galt deshalb besonders den Kindern, Eltern und Mitarbeitenden, die drei Umzüge innerhalb weniger Jahre bewältigt hätten.
Klöcker hob zudem die Zusammenarbeit mit der Stadt Schleiden hervor. Der DRK-Kreisverband betreibe Kindertageseinrichtungen in fünf Kommunen. Die Kooperation mit Schleiden habe dabei stets hervorragend funktioniert: mit kurzen Wegen, schnellen Absprachen und dem gemeinsamen Willen, eine gute Lösung für die Kinder zu finden. „Dass hier solche Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt werden konnten, ist alles andere als selbstverständlich“, so Klöcker.
„Punktlandung“
Auch der DRK-Bereichsleiter Kitas, Ralf Krutwig, würdigte die enorme Leistung. Seit 2022 habe man die Mitarbeitenden im Container begleitet und zugleich die Zusammenführung der beiden Einrichtungen vorbereitet. Besonders in den letzten Wochen vor dem Einzug hätten die Telefonleitungen „geglüht“. Planung, Einrichtung und Umzug seien zu einer gewaltigen Kraftanstrengung geworden. Die pädagogische Ausgestaltung habe das Team weitgehend selbst entwickelt, sagte Krutwig. Das Ergebnis passe deshalb nicht nur auf dem Papier, sondern auch zum Alltag der Kinder und Mitarbeitenden. „Es war eine Punktlandung“, bilanzierte er.
Wie knapp diese Punktlandung war, lässt sich von außen noch erahnen. An der Fassade und den Außenanlagen wird weitergearbeitet, auch Klingel und Telefonanlage waren zur Eröffnung noch nicht vollständig installiert. Dennoch stand für die Verantwortlichen fest, dass die Kinder nach den Sommerferien nicht noch einmal für wenige Wochen in eine weitere Notunterkunft ziehen sollten.
„Wir wollten unbedingt ermöglichen, dass sie direkt hier starten können“, sagte Andrea Wollgarten. Das sei gelungen. Bereits wenige Tage vor der offiziellen Einweihung hatten die ersten Kinder ihr neues Haus erobert.
Bei der Ausstattung konnte vieles weiterverwendet werden, das während der Containerzeit mit Unterstützung einer großen Spende angeschafft worden war. Möbel und Spielmaterial von HABA beziehungsweise Wehrfritz zogen mit ins neue Gebäude ein und sorgen trotz aller Veränderungen für Wiedererkennungswert.
Auch draußen wartet künftig viel Raum für Bewegung und Entdeckungen. Auf rund 1.050 Quadratmetern entsteht ein naturnahes Außengelände. Vorhandene Bäume sollen als natürliche Schattenspender erhalten bleiben. Unmittelbar vor der Tür liegen zudem der Kurpark und der Nationalpark Eifel. Damit verbindet der Standort die zentrale Lage mitten in Gemünd mit kurzen Wegen in die Natur.
Für Bürgermeister Ingo Pfennings ist die neue Einrichtung nicht nur ein Bauprojekt, sondern ein Stück zurückgewonnene Normalität und Lebensqualität nach der Flut. Wie viel Geduld die vergangenen Jahre Eltern und Kindern abverlangt hätten, könne er auch als Vater von Kita-Kindern gut nachvollziehen.
Wieder Leben eingezogen
Zur Einweihung begrüßte Pfennings neben Andrea Wollgarten, Sabine Moitzheim, Rolf Klöcker und Ralf Krutwig auch Dorothea Gehlen und Ellen Lehner aus dem Leitungsteam des Pastoralen Raumes Hellenthal/Schleiden sowie den evangelischen Pfarrer Oliver Joswig von der Trinitatis-Kirchengemeinde Schleidener Tal.
Für die Stadt nahmen der Erste Beigeordnete Marcel Wolter, Armin Fischbach vom Fachbereich Hochbau sowie Kerstin Wielspütz und Anja Breuer teil. Den Stadtrat vertraten der Erste Stellvertretende Bürgermeister Gerd Wolter und die Gemünder Stadtverordnete Martina Mensching.
Stellvertretend für die beteiligten Planungsbüros und Unternehmen waren Frau Wolter und Frau Schumann vom Architekturbüro abph, Christian Geno vom Ingenieurbüro Geno sowie Nikolas Hölscher von Raumwandler Architekten gekommen. Ihnen, den Handwerksbetrieben, den Beschäftigten der Stadtverwaltung, dem DRK und dem gesamten Kita-Team galt der Dank des Bürgermeisters.
Zwar müssen Fassade und Außengelände in den kommenden Monaten noch vollendet werden und auch das frische Grün braucht Zeit zum Wachsen. Das Wichtigste aber ist bereits da: Mit den Kindern und ihren Erzieherinnen und Erziehern ist wieder Leben in das ehemalige Kino eingezogen.
„Ich wünsche dieser Kita, dass sie mit Leben, Lachen und vielen schönen Erinnerungen gefüllt wird“, sagte Ingo Pfennings. Den Kindern wünschte er Freunde, tolle Erlebnisse und eine wunderbare Zeit in ihrem neuen Zuhause.
pp/Agentur ProfiPress







