Euskirchen - Wenn in der Kreisstadt Euskirchen Fastelovend und Fürsorge zusammenfinden, entsteht etwas Besonderes: Mit viel Herz(blut) ging jetzt die karnevalistische Blutspende des DRK-Kreisverbandes Euskirchen im Rotkreuzzentrum über die Bühne.
Federführend organisiert vom DRK-Blutspendedienst West und dem DRK-Kreisverband Euskirchen mit seiner Blutspendebeauftragten Edeltraud Engelen sowie ihrem Team aus engagierten Damen, den „Blutströpfchen“, wurde aus dem medizinisch dringend notwendigen Termin ein jecker Nachmittag, der zugleich ernsthaft, warmherzig und ausgesprochen gesellig war.
Tollitäten setzen Zeichen
Zahlreiche Karnevalsvereine, Tollitäten und Abordnungen waren gekommen – nicht als reine Repräsentanten, sondern aus echter Überzeugung. An der Spitze stand Prinzessin Colette I. (Leber) von Euskirchen, begleitet von Adjutant Martin Nießen, Prinzenführer Hans-Josef Bädorf sowie Tollitätenfahrer Ralf Olef (Prinzengarde Euskirchen) und Stefan Guhlke, Präsident des Festausschusses Euskirchener Karneval.
Colette I. betonte eindringlich, warum ihr dieser Termin so am Herzen liegt: „Blutspenden ist unglaublich wichtig. Ich habe durch den Tod meines Mannes ganz persönlich erfahren, wie existenziell das werden kann. Wenn kein Blut da ist, wird es ganz, ganz eng.“ Für sie sei es wichtig, dass Menschen sehen, wie gut und sicher sie beim DRK betreut werden: „Man wird hier nicht einfach nur ‚angezapft‘ – man wird umsorgt. Ärzte sind vor Ort, man fühlt sich gut aufgehoben.“ Ihr Appell ging daher über die Blutspende hinaus: Sie warb auch dafür, über Organspenden nachzudenken.
Besonders bewegend sprach die Prinzessin über ihre persönliche Beziehung zu Dieter Pape, langjähriger Helfer bei der DRK-Blutspende und Gründungsmitglied der KG EG Südstaat von 1999 e.V., in der Colette Vizepräsidentin ist. Sie überreichte ihm einen Orden und würdigte ihn als „einen der liebsten Menschen der Stadt“ – ebenso wie seine Frau Margretchen Pape, legendäre Büttenrednerin, der sie beim Südstadtzug auch noch einen Orden überreichen will.
Auch Südstadt-Regent Robert I. (Herter) ließ es sich nicht nehmen, selbst Blut zu spenden. Begleitet wurde der 22-Jährige von seinem Fahrer Georg Bonnet und seiner Adjutantin Elisabeth Deutsch. Robert I. ist mit 22 Jahren der zweitjüngste Regent des Vereins – und dennoch bereits ein erfahrener Blutspender: „Ich spende seit mehreren Jahren regelmäßig. In meiner Familie wurde das vorgelebt. Man hofft, es nie selbst zu brauchen – aber wenn doch, ist man froh, dass es Menschen gibt, die spenden.“
Aus Roitzheim war außerdem eine Abordnung der Roitzheimer KG mit Prinz Emil Bolde vertreten. Auch sie machten deutlich, dass ihr Engagement mehr ist als ein närrischer Auftritt: Es ging darum, Verantwortung zu übernehmen und Vorbild zu sein – gerade für jüngere Jecken.
„Blutströpfchen“ machten möglich
Auf Begeisterung traf an diesem Nachmittag aber auch das liebevoll und reichhaltig hergerichtete Buffet der DRK-„Blutströpfchen“. Seit rund 20 Jahren begleiten sie die karnevalistische Blutspende mit selbstgekochten Speisen, Kuchen und herzhaften Leckereien, um die Spenderinnen und Spender bei kulinarischer Laune zu halten.
Das zeige auch Wirkung, seitdem kämen wieder mehr Leute. Generell sei die Blutspende aber für Edeltraud Engelen (Spitzname „Engelchen“) eine waschechte „Herzensangelegenheit“: „Viele nehmen Blutkonserven bei Notfällen, Operationen und mehr als einfach selbstverständlich hin. Doch in Wahrheit herrscht oft ein Mangel, der schnell gefährlich werden kann. Man denkt anders, wenn man einmal in der Onkologie war.“
Ernst hinter der Narretei
Hier zeigte sich wieder: so fröhlich der Nachmittag war – der Hintergrund blieb ernst. Gerade in der fünften Jahreszeit werden Blutkonserven dringend benötigt, da winterbedingte Erkrankungen und Feierlaune viele Spenden ausfallen ließen. Und das obwohl jede einzelne Spende lebenswichtig ist…
Darum mache sie sich mit „ihren Mädels“ stark für die gute Sache: „Wir sind ein tolles Trüppchen – ohne mein Team würde das alles nicht gehen.“ Sie seien ein unverzichtbarer Teil des Erfolgsgeheimnisses. Aber auch ein Aufruf von Radio Euskirchen habe erneut viele Menschen mobilisiert, breite Unterstützung käme vor allem auch aus dem Karneval. Doch auch Landrat Markus Ramers und weitere „Promis“ hätten gespendet – ein Zeichen dafür, wie fest die Blutspende des Roten Kreuzes im regionalen Bewusstsein verankert ist. Großer Dank galt auch den „Nicht-Karnevalisten“, die erschienen sind, um zu helfen.
So war es ein Fastelovend mit klarer Haltung. Denn am Ende dieses jecken Nachmittags stand eine klare Botschaft: Karneval in Euskirchen kann richtig feiern – und lebenswichtige Verantwortung übernehmen. Oder, wie es Prinzessin Colette I. auf den Punkt brachte: „Mir fiere et Lääve – und sorgen dafür, dass andere es auch können.“
pp/Agentur ProfiPress









