Kreis Euskirchen – Wer an den Rettungsdienst denkt, hat oft ein bestimmtes Bild vor Augen: Junge Menschen, die direkt nach der Schule eine Ausbildung beginnen und später auf dem Rettungswagen arbeiten. Die Realität an der Rettungsdienst-Akademie des DRK-Kreisverbands Euskirchen sieht deutlich vielfältiger aus.
Menschen zwischen 17 und 64 Jahren lernen dort gemeinsam für ihren Einstieg in den Rettungsdienst. Mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben in den vergangenen zwei Jahren ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Die Erfolgsquote liegt bei über 98 Prozent. Mit einem kostenlosen Live-Webinar am Donnerstag, 16. Juli, um 19 Uhr möchte die Akademie nun zeigen, welche Wege Schulabgängern, Studierenden, Ehrenamtlichen und beruflichen Quereinsteigern offenstehen.
„Viele Menschen interessieren sich für den Rettungsdienst, wissen aber nicht, welcher Einstieg zu ihrer persönlichen Situation passt“, erklärt Schulleiter Alexander Schiffmann. „Dabei gibt es heute unterschiedliche Wege für Schulabgänger, Studierende, Ehrenamtliche und Quereinsteiger. Mit unserem kostenlosen Webinar möchten wir Orientierung geben und zeigen, welche Möglichkeiten tatsächlich bestehen.“
Schon während des Fachabiturs gestartet
Eine von ihnen ist Conny. Bereits während ihres Fachabiturs entschied sie sich dazu, die Qualifikation zur Rettungshelferin NRW zu absolvieren. Während viele Mitschülerinnen und Mitschüler noch über ihre berufliche Zukunft nachdachten, wollte sie praktische Erfahrungen sammeln.
„Ich wollte die Zeit sinnvoll nutzen und nicht erst nach der Schule anfangen“, erzählt sie. Inzwischen arbeitet Conny an den nächsten Schritten auf ihrem Weg zur Rettungssanitäterin. Langfristig möchte sie Notfallsanitäterin werden.
Für Schiffmann ist ihre Geschichte beispielhaft: „Viele Schulabgänger suchen nach Orientierung. Der Rettungsdienst bietet die Chance, Verantwortung zu übernehmen, Menschen zu helfen und gleichzeitig wertvolle Erfahrungen für die eigene Zukunft zu sammeln.“
Auch für Studieninteressierte könne eine rettungsdienstliche Qualifikation eine interessante Perspektive sein. Viele junge Menschen nutzten die Zeit zwischen Schule und Studium, um Erfahrungen im Gesundheitswesen zu sammeln. Gleichzeitig eröffne die Ausbildung flexible Möglichkeiten, während des Studiums Geld zu verdienen. „Man bekommt ein viel besseres Gefühl dafür, ob Medizin und die Arbeit mit Menschen wirklich zu einem passen“, sagt Conny.
Vom Ehrenamt in den Rettungsdienst
Einen ganz anderen Weg ist Felix gegangen. Der 21-Jährige absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker. Durch sein Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr kam er immer wieder mit dem Rettungsdienst in Berührung.
„Je mehr Kontakt ich mit dem Rettungsdienst hatte, desto spannender fand ich das Ganze“, erinnert er sich. Obwohl medizinische Themen für ihn zunächst Neuland waren, entschied er sich für die Ausbildung zum Rettungshelfer. Heute steht er kurz vor seinem Einstieg in den Rettungsdienst und hat bereits einen Arbeitgeber gefunden.
Sein Rat an künftige Akademie-Schüler: „Wenn du Interesse am Rettungsdienst hast, dann probiere es aus. Niemand muss von Anfang an alles können. Den Rest lernt man Schritt für Schritt.“
Gerade für Menschen, die bereits ehrenamtlich bei Feuerwehr, Hilfsorganisationen oder in anderen Bereichen tätig sind, könne der Rettungsdienst eine Möglichkeit sein, vorhandene Erfahrungen zu erweitern und neue berufliche Perspektiven zu entwickeln.
Neue berufliche Ziele trotz Familie
Dass sich eine Ausbildung auch mit Familie und Beruf vereinbaren lässt, zeigt Vivian. Die Erzieherin und Mutter von drei Kindern entschied sich bewusst für die Qualifikation zur Rettungshelferin NRW.
„Wenn ich mir etwas in den Kopf setze und ein Ziel vor Augen habe, dann fackele ich nicht lange. Ich mache es einfach und setze es um“, sagt sie. Ihre erste Qualifikation hat sie inzwischen erfolgreich abgeschlossen. Nun möchte sie Rettungssanitäterin werden.
„Man sollte sich nicht von Zweifeln bremsen lassen“, betont Vivian. „Wenn die Rahmenbedingungen stimmen und man Menschen hat, die einen unterstützen, ist deutlich mehr möglich, als man zunächst denkt.“
Viele Berufstätige glaubten zunächst, sie seien zeitlich oder beruflich bereits zu festgelegt, berichtet Schiffmann: „Die Realität zeigt oft etwas anderes.“
Mit 52 Jahren neu angefangen
Besonders eindrucksvoll ist die Geschichte von Pierre. Der gelernte Raumausstatter entschied sich mit 52 Jahren, die Qualifikation zum Rettungshelfer NRW zu machen.
„Ich habe mir gedacht: Wenn nicht jetzt, wann dann?“, erzählt er. Sein Alter sei für ihn kein Hindernis gewesen. „Man ist nie zu alt, um etwas Neues zu lernen.“ Heute engagiert sich Pierre weiterhin im Rettungsdienst und sieht die Ausbildung als persönliche Bereicherung. „Alter spielt keine Rolle. Entscheidend sind Motivation, Interesse und die Bereitschaft, sich auf neue Erfahrungen einzulassen.“
Das Webinar der Rettungsdienst-Akademie Euskirchen richtet sich an alle, die sich für den Rettungsdienst interessieren und noch Fragen zu ihrem möglichen Einstieg haben. Themen sind unter anderem Ausbildungswege, Voraussetzungen, Vereinbarkeit mit Schule, Studium, Familie oder Beruf sowie Entwicklungsmöglichkeiten nach der Qualifikation.
Die Referenten geben außerdem Einblicke in den Ausbildungsalltag und stellen die Erfahrungen ehemaliger Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor. „Die Geschichten von Conny, Felix, Vivian und Pierre zeigen vor allem eines“, so Schiffmann: „Es gibt nicht den einen typischen Weg in den Rettungsdienst. Menschen kommen aus ganz unterschiedlichen Lebenssituationen zu uns. Unser Ziel ist es, ihnen die Möglichkeiten aufzuzeigen und sie dabei zu unterstützen, den für sie passenden Weg zu finden.“
Das kostenlose Webinar findet am Donnerstag, 16. Juli, um 19 Uhr statt und dauert etwa 60 bis 90 Minuten. Weitere Informationen und Anmeldung unter: www.rettungsdienst-akademie.eu/webinar
pp/Agentur ProfiPress

